Stadionbad Bremen

Planungsbüro: Polyplan GmbH, Bremen
Auftraggeber: Bremer Bäder GmbH
Ort: 28205 Bremen
Zeitraum: 2004 - 2006

 
Hintergrund
Im August 2006 machte das grundrenovierte Stadionbad seine Tore für die Badegäste wieder auf. Baden im Chlorbecken oder im natürlich gereinigten Wasser - alles ist möglich. Und die Riesenrutsche - nur etwas für ganz Mutige!

Bremer Bürgerinnen und Bürger - von jung bis alt - haben in einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsprozess das Freibad neben dem Weser-Stadion ("Stadionbad") neu geplant. Der Patenkreis, in dem alle wichtigen Interessengruppen für das Bad vertreten waren, hat mit breiter Mehrheit eine Entscheidung getroffen, die von allen Anwesenden getragen wurde. Die politischen Instanzen - der Beirat "Östliche Vorstadt" und die ausschlaggebende Sportdeputation der bremischen Bürgerschaft - haben sich dem Votum des Beteiligungsprozesses angeschlossen.

Der unmittelbare breite Diskussionsprozess um das Stadionbad dauerte bis zum Sommer 2004. Von Mitte März bis Anfang Juli 2004 engagierten sich Jugendliche, ältere Menschen, Sport- und Freizeitschwimmer in Workshops, öffentlichen Planungs-, Informations- und Diskussionsveranstaltungen und stritten über Chlor oder Bio, 50-Meter-Becken oder Sprungbecken, mehr Liegefläche oder Wasserspielplatz, Fußball- oder Volleyballfelder. Hieraus entwickelten die beiden beteiligten Planungsbüros vier Entwurfsplanungen. Der Patenkreis analysierte, verglich und diskutierte sie und gab sein eindeutiges Votum ab.
 
Freiraumgestaltung
Das übergeordnete Ziel der Freiraumplanung bestand darin, das neue Freibad in die Topografie des Weserufers und der Deichlandschaft in unmittelbarer nähe zum Weserstadion einzubinden. Eine besondere Herausforderung war hierbei die Gestaltung der Filteranlagen unter beengten Platzverhältnissen und unter Wahrung der hochwasserschutzrechtlichen Belange.
Die planerische Lösung bestand in einer Terrassierung des Neptunfilters mittels Gabionenwänden, wodurch eine minimale Flächeninanspruchnahme und zudem eine windgeschützte Besuchertribüne geschaffen werden konnte.
Neben den üblichen Liegewiesen wurde eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufenthaltsbereichen geschaffen, die den verschiedenen Alters- und Nutzergruppen gerecht werden. Zu nennen sind beispielsweise der großzügige Kleinkindbereich, die Spiel- und Sportplätze als auch der aufgewertete Gastronomiebereich.
Darüber hinaus war es auch Planungsziel, einen Rahmen für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten über einen reinen, sehr stark saison- und wetterabhängigen Bäderbetrieb hinaus zu schaffen, Raum für Musik- und Sportveranstaltungen, Events und Kunstaktionen zu bieten.
 
Nutzungsbereich
Der Nutzungsbereich gliedert sich in insgesamt vier Beckenbereiche, wovon die beiden Schwimmerbecken als konventionelles desinfiziertes Beckenbad geführt werden. Das 50m-Becken wurde in seiner alten Form mit 6 Schwimmbahnen erhalten, jedoch durch den Einbau des neuen Schwallbehälters vom Sprungbereich mit 10m-Turm-Anlage getrennt. Beide Becken wurden mit einer azurblauen Kunststoffdichtungsbahn komplett neu abgedichtet. Die Überlaufrinnen und Beckenköpfe wurden ebenso wie die Reinwassereindüsung komplett erneuert.
Die Nichtschwimmer- und Kleinkindbereiche werden hingegen als Naturfreibad betrieben. Hier konnte nur teilweise auf die vorhandene Bausubstanz aufgebaut werden, so dass weite Teile komplett neu erstellt wurden. Die Becken wurden hier bewusst mit eine mintgrünen Kunststoffdichtungsbahn abgesetzt, so dass dem Nutzer auch optisch deutlich wird in welchem Badewasser er sich gerade befindet.
 
Speedrutsche
Die neue familienorientierte Badelandschaft wurde mit den verschiedensten Wasserattraktionen wie Breitrutsche, Wassertreppe, Staustufen und Kaskadenbecken aufgewertet. Als besondere Attraktion unter den Bremer Jugendlichen gilt die 11m hohe Speedrutsche, die nur von den Mutigsten ohne Zögern im ersten Anlauf genommen wird.
 
Wasseraufbereitung Naturbad
Auch das Rohwasser im Naturbadbereich wird in Überlaufrinnen aufgefangen und im Schwallbehälter gesammelt. Von dort wird es über drei separate Beschickungspumpen auf die zwei gestuften Bodenfilterebenen verteilt. Als Bodenfiltersystem haben wird hier ausschließlich den offenporigen Neptunfilter mit besonders hohen Keimeliminationsraten gewählt. Das Wasser wird über Verteilerdüsen auf der Filterfläche verregnet und rinnt an den Kornoberflächen durch das Substrat bis zur Filtersole. Partikel haften während der Passage an dem feuchten Biofilm, der die Substratoberfläche bedeckt. Durch die Mikroorganismen an den Kornoberflächen wird die organische Fracht des Rohwassers abgebaut. CO2 und N2 werden größtenteils veratmet, während Phosphat zum Zellaufbau der Mikroorganismen eingelagert wird. Die Mikroorganismen reichern durch ihren eigenen Wachstumsvorgang die PO4-P-Konzentration an der Substratkorngrenze gegenüber der Freiwasserkonzentration um den Faktor 100 bis 200 an. Bei diesen nun hohen Konzentrationen können Phosphatbindeprozesse wirken, welche die Phosphate chemisch fixieren.
 
Wasseraufbereitung desinfiziertes Beckenbad
Die Aufbereitung des Schwimm- und Badebeckenwassers der zwei Becken (Schwimmer und Springer) wird zur Einhaltung des hygienischen Standards nach dem Verfahren Adsorption - Flockung Filtration Chlorung, gem. DIN 19643-2 durchgeführt.
Das Reinwasser wird den einzelnen Becken volumenstromanteilig - wieder zugeführt. Mittels einer Solaranlage kann die Beckenwassertemperatur des Schwimmerbeckens angehoben werden. Durch den gemeinsamen Schwallbehälter findet dadurch auch eine Temperaturerhöhung im Springerbecken statt. Eine Nachheizung über einen Kessel aus dem nahe gelegenen Vereinshallenbad ist möglich, so dass der Schwimm- und Sportverein bei Schwimmwettbewerben die Beckenheizung über seine eigene Kesselanlage realisieren kann. Die Überwachung der Wasserqualität wird durch Messung der Parameter freies Chlor, Redox-Spannung und pH-Wert sichergestellt.
 
Computersimulation
Die Strömungsverhältnisse im Bad wurden mit Hilfe einer numerischen Simulation optimiert, um in allen Bereichen eine gleichmäßige Durchströmung zu erreichen.
Vor Inbetriebnahme wurde die einwandfreie Beckenhydraulik durch einen Färbeversuch nachgewiesen.
 
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