ABS Frühjahrs-Tagung 2014 in Dortmund ein voller Erfolg
Die diesjährige Frühjahrsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Badeseen & Schwimmteiche (ABS) fand am 22. und 23. Mai in Dortmund statt, wo mehr als 30 Teilnehmer, darunter Betreiber und Planer öffentlicher Bäder aus Deutschland und der Schweiz, sowie Wissenschaftler für zwei Tage zu einem intensiven Austausch zusammenkamen. Erfreulich war insbesondere die Tatsache, dass sowohl die Betreiber als auch die Planer zweier neu eröffneter Bäder aus der Schweiz anwesend waren.
Das Programm widmete sich dem Thema Wirtschaftlicher Bäderbetrieb und Attraktivitätssteigerung, weiterhin den Betriebsdaten und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, sowie Neuen Nutzungskonzepten und Eventvermarktung als auch Vermarktungsstrategien für Freibäder, interessant insbesondere für die Naturbadbetreiber. Weiterhin wurde das weiterentwickelte DANA-Datenbankportal als bäderübergreifende Plattform vorgestellt.

 

Veranstaltungsort war das Freibad Froschloch" welches zu der Sportwelt Dortmund gGmbH gehört. Erstmals fand die ABS-Frühjahrstagung in einem Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung statt, und zwar bei laufendem Betrieb! Letzteres erlaubte die Besichtigung des Bades im Sommerbetrieb, also mit Wasser und Badegästen, und einen mehr als anschaulichen Eindruck der Leistungsfähigkeit der Anlage bei hochsommerlichen Temperaturen von 29º C. Dies führte zu einem intensiven Erfahrungsaustausch unter den angereisten Betreibern aus Deutschland und der Schweiz und erlaubte den Teilnehmern zudem ein erfrischendes Bad in einem der schönsten Naturfreibäder Deutschlands.
Ganz praktisch wurde es bei der Marktanalyse der Pflegegeräte für Naturfreibäder: Stärken, Schwächen, Optimierungen, denn sowohl der Veranstaltungsort als auch die Jahreszeit ermöglichte die Vorführung von Reinigungsgeräten unter reellen Bedingungen während der Badesaison. Hierbei entspann sich im direkten Gespräch über neu entwickelte Pflege-Geräte zwischen Herstellern, Planern und Betreibern auch ein intensiver und fruchtbarer Dialog über mögliche Verbesserungen.

Als problematisch für die Hersteller wurde seitens des Referenten Herrn Groß von der Fa. STS Schwimmbad Technik Service - das bislang fehlende Anfordungsprofil an die Geräte genannt, das für eine Weiterentwicklung hilfreich sei. Die bisher nur geringen Stückzahlen der verkauften Geräte wiederum verweisen Reinigungsroboter für öffentliche Bäder mit biologischer Wasseraufbereitung leider immer noch in eine Randsituation, die aufgrund geringer Nachfrage noch nicht genügend ernst genommen wird. Auf Seiten der Hersteller wird somit bislang nicht ausreichend die Forschung und Entwicklung stimuliert, die zu zukünftig besseren Reingungsgeräten führen könnte. Es gebe zwar eine sukzessive Verbesserung, so Groß, aber auch Grenzen.
Zudem ist die Vergleichbarkeit der Bäder untereinander nicht gegeben, sodass die individuelle Gestaltung und auch die jeweils individuellen Bedingungen, in die ein Bad eingebunden ist, eben auch eine individualisierte Reinigungs-Lösung erfordert. Für die Badbetreiber bedeutet das einstweilen, dass Eigeninitiative und Innovationsgeist bei der Bewältigung der Frage der Reinigung solcher Bäder vonnöten ist. Nicht unbedeutend im Zusammenhang mit dem nötigen Reinigungsaufwand ist auch die Wahl der Farbe der Beckenabdichtung, die Gestaltung sowie der Typ des Bades.
Einen Überblick über weitere Ansätze zur Pflegeminimierung stellte Hannes Kurzreuther von der Fa. Polyplan vor. Neben Verfahren zum Abbau von Biomasse und zur Nährstoffelimination wurden Möglichkeiten wie photokatalytische Anstriche, optimiertes Biofilmwachstum in den Filteranlagen, Verfahren zur adsorbtiven Eisenbindung als auch mineralische Zuschlagstoffe diskutiert.
Eine weitere Neuheit, der sogenannte Trübung- oder Schlechtwetterbetrieb, wurde von Heiko Frehse der Fa. Polyplan vorgestellt. Dabei ist die Absicht, ausserhalb der Nutzungszeiten unter verlangsamter Umwälzung eine zeitweilige Schwebealgenbildung zuzulassen. Diese Schwebealgen, also das Phytoplankton, werden dann bei steigender Umwälzleistung (Schönwetterbetrieb) über die Filteranlagen ausgewaschen. Dadurch werden die gelösten Nährstoffe des Beckenwassers in Biomasse gebundenen und über die biologische Filtration mechanisch abgeschieden und dem System entzogen. Gleichzeitig führt eine leichte Eintrübung zu einer Lichtlimitierung auf den Beckenoberflächen, wodurch insgesamt der Aufwuchs anhaftender Organismen (Fadenalgen, Kieselalgen,Biofilme) reduziert wird und damit die Pflege der Becken- und Bodenbeläge erleichtert. Diese Art von Betrieb ist jedoch nicht für jede Art von Bad beziehungsweise Filtertyp geeignet, darüber muss fallweise - unter Einbeziehung der Planer - entschieden werden.
Eine weitere Neuheit gibt es auch beim Bädermonitoring DANA. Vorgestellt wurde von Stefan Bruns ein neues Rating-Modul, das den Vergleich der Bäder untereinander ermöglicht und Antwort auf die Frage gibt Wo stehe ich mit meinem Bad bzw. mit meinen Bäderbetriebsdaten im Vergleich zum Vorjahr und im Vergleich zum Durchschnitt der anderen Bäder die ihre Daten in DANA einpflegen?. In den vergangenen Jahren hat sich DANA als hilfreiches Instrument im Bädermanagement bewährt, zum Beispiel bei der Überschreitung von mikrobiologischen Grenzwerten und als Möglichkeit zur Fehlersuche bei technischen Betriebsfehlern. Die Einbindung der Behörden in DANA sei als sehr vorteilhaft anzusehen und ist nach Einschätzung der Planer öffentlicher Bäder vor allem vertrauensbildend. Seitens der neu entstandenen Naturfreibäder in der Schweiz wird großes Interesse an der Teilnahme an DANA bekundet. DANA sei für die Betreiber öffentlicher Naturbäder Marketing in eigener Sache und daran nicht teilzunehmen als fahrlässig zu bezeichnen, so die Kollegen aus der Schweiz.
 

Ausführlich wurde auch das Naturfreibad Froschloch in Dortmund Hombruch von Claudia Heckmann vorgestellt, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Sportwelt Dortmund gGmbH, und dabei seine Entstehunggeschicht und seine Einbindung in die Dortmunder Bäderlandschaft betrachtet, aber auch seine geographische Lage und die sich daraus ergebenden Anforderungen an das Bad: ein Beckenbad mit Filtertechnik und grüner Folienabdichtung als Familienbad. Ihr Fazit: Wen wundert es also, dass dieses Bad einen großen Einzugsbereich versorgt und hier an heissen Sommertagen bis zu 5.500 Besucher baden gehen. Es habe sich gelohnt, in ein Naturfreibad zu investieren, auch ökonomisch gesehen und im Vergleich zu den von der Sportwelt konventionell betriebenen Bädern, ein voller Erfolg.
Die erforderlichen Naturschutzmassnahmen mit Heckenpflanzungen und Anlage eines Teiches und einer Streuobstwiese, die positive Einstellung des Gesundheitsamtes von Anfang an, spielten ebenfalls einen wichtige Rolle.
Wer durch die Anlage geht, ist insbesondere von der gelungenen Planung des Bades begeistert: mit einem echten Sandstrand und den dazugehörigen Strandkörben, einer Art Hafenmole, einem großem Holzsteg und großzügigen Becken für Schwimmer und Nichtschwimmer, einem Kinderplantschbereich und den sehr weitläufigen Freiflächen mit altem Baumstand. Die bestehende Architektur des Bades wurde vollständig saniert, trägt aber mit ihrer Form ebenfalls zu der gelungenen Anlage bei, denn sie öffnet sich ins Bad und entlässt den eintretenden Besucher in die Weite der Anlage, die vom höher gelegenen Eingangsbereich aus zu überblicken ist.
Michael Dominik, Betriebsleiter des Naturfreibades Froschloch, informierte über Betriebsdaten und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen des Bades. Die Reinigung des Bades, sowohl in Vorbereitung der Badesaison als auch im täglichen Betrieb hat größte Priorität, und führt zu einem Ergebnis, das sich wirklich sehen lassen kann. Weiterhin sind täglich Überprüfungen der Anlage, Beckenaufsicht und Vogelvergrämung zu leisten, da sich viele exotische Wasservögel (Kanadagänse, Nilgänse) zum Wasser hingezogen fühlen, die jedoch eine Bedrohung für die Wasserqualität darstellen. Als natürlicher Freßfeind hilft hier bereits ein Fuchs mit.
Im Kostenvergleich mit einem DIN-Bad in Dortmund Hörde kommt der Betriebsleiter zu folgenden Ergebnis: Bei den Energiekosten liegt der Vorteil klar beim Naturbad, das mit weniger als einem Fünftel auskommt, was aber einen Unterschied von mehr als 100.000 Euro ausmacht. Nur bei den Hygienemessungen ist das Naturbad im Nachteil, weil hier vorschriftsmäßig 14-tägige Messungen vorgenommen werden müssen.
Sein Fazit: das Naturfreibad Froschloch stellt hohe Anforderungen an Pflege und Wasserqualität, was einen hohen Personal- und Pflegeeinsatz bedeutet, aber als Naturfreibad eben auch geringere Verbrauchskosten (Strom, Wasser, Chemiekalien) verursacht. Es besitzt eine hohe Attraktivität und ist entsprechend beliebt, was sich im großen Einzugsgebiet bemerkbar macht. Der biologischen Wasseraufbereitung kommt hierbei ein Schlüsselposition zu. Zu bedenken gibt Michael Dominik, dass zum Betreiben eines Naturbades Idealismus sowie Identifikation mit der Anlage vonnöten seien. Den Planern öffentlicher Bäder empfiehlt er auch Hinweise zum Pflegeaufwand stärker zu kommunizieren.
 

Über neue Nutzungskonzepte für Naturfreibäder berichtete Heiner Mokroß vom Förder- und Betreiberverein Pro Mirke in Wuppertal-Elberfeld. Das Bad wurde als drittältestes Beckenbad 1851 als Schwimm- und Badeanstalt eröffnet, besaß schon damals ein Erwärmungsbecken und ein mit Steinen ausgelegten Badebereich, und wandelte sich im Laufe der Zeit vom Bürgerbad zum Arbeiterbad, Strandbad und schließlich zum modernen Freibad, dessen Betrieb 2010 eingestellt wurde.
Nun möchte der Verein auf dem Gelände ein Naturfreibad errichten. Ein Entwurf dafür liegt bereits vor, überdies wird ein Bewegungspark, Wasserspielplatz, Rundwege, Attraktionsflächen und Fitneßmöglichkeiten angedacht und dies für verschiedene Altersgruppen und Nutzungen über die reine Badesaison hinaus, auch in die übrigen Jahreszeiten hinein.
Um die Baukosten von geschätzten 2. Mio Euro einzufahren, besann man sich derweil auf neue Nutzungsformen und nutzt den Raum als Event-Location für ungewöhnliche Veranstaltungen im Bereich Theateh, Kunst und Kultur. Mit den u .a. vorhandenen Aufblasplantschbecken konnte jedenfalls die Betriebsgenehmigung für ein Freibad erhalten bleiben. Aufgrund der Aktivitäten arbeitet der Verein wirtschaftlich, nun brauche man nur noch die Gelder für die Investition, so Heiner Mokroß.
 

Ulrike Elisabeth Rechler von der Fa. ROIGK GmbH & Co informierte im Abschlußvortrag über die Attraktivitätssteigerung von Bäder durch Wasserspielareale. In diesen modernen barrierefreien Spielarealen mit Null-Wassertiefen können Kinder allein spielen und sich auch allein durch die Anlage bewegen, sich total nass machen ist erlaubt. Spielen und Erleben ist hier Konzept, ruhig und wild und auch mit Überraschungen soll es sein. Auch Laufspiele und Bewegungsachsen finden Berücksichtigung. Zeitschaltungen per Aktivierungssäulen bei Anwesenheit sorgen für einen ressourcenschonenden Spielraum. Aber auch figürliche Installationen und Skulpturen sind gefragt, so gibt es Permuscheln, Schnecken, Wasserwände, Lichtareale und temporäre Installationen von großer Schönheit.
Neben der gemeinsamen Abendversanstaltung bei sommerlichen Temperaturen draussen im Bad unter dem Sternenhimmel über Dortmund sollte ein anderes Highlight der Tagung nicht unerwähnt bleiben: das gemeinsame Baden mit Kollegen und Tagungsteilnehmern im biologisch aufbereiteten Wasser des Naturfreibades Froschloch war aufgrund geschickter Auswahl des Tagungsortes - ein unvergessliches Erlebnis! Ganz nah dran am Gegenstand der täglichen Arbeit jedes einzelnen Teilnehmers wurde nach Biofilm gesucht, Plankton gefunden, gefachsimpelt, jeder einzelne Bereich der Anlage ausführlich ausprobiert und für gut befunden, der Pflegezustand der Anlage gelobt und nach Herzenlust gebadet und geschwommen. Gemeinsam mit den vielen Bersuchern, für die das Naturfreibad Froschloch einfach nur das Bad in ihrer Nachbarschaft ist, deren Anwesenheit aber auch ein großes Lob für die gelungene Arbeit aller Beteiligten darstellt und somit die ABS-Tagung in Dortmund mit diesem gelungenen Szenario bereichert hat.
 
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