Der Einsatz von Wasser aus dem Betrieb eines konventionellen Freibads für die Bewässerung von Grünflächen mag in der Naturbadinfo etwas ungewöhnlich sein. Das große Wassersparpotential und die vielschichtigen Fragestellungen bezüglich der Genehmigungsfähigkeit dürften allerdings für viele Betreiber von Interesse sein. Zum Zeitpunkt der Machbarkeitsstudie konnten keinerlei Chlorbäder identifiziert werden, bei denen abgeschlagenes Betriebswasser dauerhaft für die Bewässerung von Grünanlagen verwendet wird. Das sich hier ergebende Potential und mögliche Einschränkungen werden am Beispiel des Sommerbads Neukölln dargestellt.
Ausgangslage
Die Grünfläche „Hasenheide“ im Berliner Stadtteil Neukölln leidet seit Jahren unter akutem Wassermangel. In den Sommermonaten kann aktuell nur eine minimale Bewässerung aufrechterhalten werden, die aus Mangel an anderen Optionen mit Trinkwasser durchgeführt wird. Im Rahmen des Projekts „Klimaresiliente Hasenheide“ wurde untersucht, in wie weit das Betriebswasser aus dem Betrieb Sommerbad Neukölln einen Beitrag zur Absicherung des Wasserbedarfs darstellen kann. Das 1951 eröffnete Freibad liegt in unmittelbarer Nähe zu der öffentlichen Parkanlage und wird durch die Berliner Bäderbetriebe unterhalten. Es verfügt über ein Schwimmerbecken mit Sprungturm und einen großzügigen Mehrzweckbereich. Aus dem Betrieb ergeben sich vier für die potentielle Weiterverwendung relevante Volumenströme: Regenwasser, Überwinterungswasser, Filterrückspülwasser sowie Spülwasser. Die anfallenden Mengen sind in Abbildung 1 dargestellt. Diese werden im Regelbetrieb über die Schmutzwasser- bzw. Regenwasserkanalisation abgegeben.
Abbildung 1: Potentiell für den Einsatz in der Bewässerung geeignete Volumenströme aus dem Freibadbetrieb
Die anfallenden Volumenströme könnten in der Summe einen relevanten Beitrag für die Bewässerung der Hasenheide darstellen, deren Bedarf bei ca. 20.000 m³/Jahr liegt. Die Hauptpotentiale ergeben sich aus dem auf der Fläche anfallenden Regenwasser, dem Überwinterungswasser in den Becken sowie dem Filterrückspülwasser über die Saison.
Anforderungen an die Wasserqualität
Da es sich beim Sommerbad Neukölln um ein Chlorbad nach DIN 19643 handelt, besteht eine entsprechende Belastung des Wassers. Insbesondere AOX und Chlorid Konzentrationen sowie die Leitfähigkeit als Indikator für Salze müssen hier in Hinblick auf die Verwendung als Wasser für die Bewässerung berücksichtigt werden. In Abhängigkeit von der Art der Ausbringung, sind auch Hygieneparameter zu berücksichtigen. Für den angedachten Einsatz des Betriebswassers als Bewässerungswasser gibt es in Berlin kein standardisiertes Genehmigungsverfahren, so dass hier zunächst sämtliche in Frage kommenden Anforderungen und Grenzwerte zu klären sind.
In Hinblick auf eine Bewertung der Eignungsfähigkeit werden die Grenzwerte der DIN 19650, DIN 19684–10 sowie die TLL (2004) und Grenzwerte aus dem Merkblatt für Grundwasserbenutzung bei Baumaßnahmen im Land Berlin herangezogen.
Zusätzlich zu diesen Anforderungen ist bei einer Nutzung des Prozesswassers nachzuweisen, dass alle grundwassergefährdenden Stoffe und Abbauprodukte entfernt bzw. abgebaut werden, bevor es zu einem potentiellen Eintritt in den Grundwasserleiter kommt. Hieraus ergeben sich Grenzwerte für etwaige Pflanzenschutzmittel- und Biozidprodukt-Wirkstoffe. Abbildung 2 stellt relevante Einträge in das Betriebswasser dar.
Eignung des Betriebswassers
Aus vorliegenden Wasseranalysen geht hervor, dass die Konzentration an AFS, AOX und Chlorid für den Einsatz als Bewässerungswasser weiter reduziert werden müsste, was als technisch umsetzbar eingestuft wird. Im Fall des Überwinterungswassers kommt es zusätzlich zum Einsatz von Algizid. Dieses wird verwendet, um den Reinigungsaufwand an den Fliesen gering zu halten und die Pumpen zu schützen. Für die hier betroffenen Wassermengen von ca. 5.000 m³ wäre bei einer weiteren Verwendung nachzuweisen, dass nach einer entsprechenden technischen Aufbereitung keine biotoxische Wirkung mehr vorliegt. Im konkreten Fallbeispiel ist keine Vorgabe zur Umsetzung bekannt. Als Indikator werden entsprechend Untersuchungen der Wirkung auf Algen, Daphnien, Wasserlinsen und Leuchtbakterien vorgeschlagen. Hierzu wurden im 4. Quartal Proben des Überwinterungswassers genommen. Wie erwartet, zeigt sich die Wirkung des Algizids in der Hemmung von Algen- und Wasserlinsenwachstum sowie gegenüber den Daphnien.
Für die Aufbereitung des Überwinterungswassers wird im Rahmen der Machbarkeitsstudie eine Filtration mittels Aktivkohle und Zeolith vorgeschlagen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme wurde in einem Modellversuch überprüft. Während eine einfache Aufbereitung durch lediglich Aktivkohle oder Zeolith keine ausreichende Reduktion der Toxizität auf die Indikatororganismen gewährleisten konnte, stellt sich die Kombination beider Adsorber als zielführend dar. Die hemmende Wirkung auf Algen, Daphnien und Wasserlinsen konnte im Modellversuch weitgehend unterbunden werden. Das vorgeschlagene Verfahren wird daher als prinzipiell für die Aufbereitung geeignet bewertet.
Fazit und Ausblick
Aus den im Sommerbad Neukölln anfallenden Betriebswasserströmen lässt sich prinzipiell der Bewässerungsbedarf in der Grünanlage Hasenheide mit abdecken. Durch den Bau einer Zisterne und Integration einer technischen Aufbereitung könnten Regen- und Rückspülwasser unter Einhaltung der vorliegenden Grenzwerte verfügbar gemacht werden. Da die Nutzung hier Pilotcharakter hätte, wäre zunächst ein intensives Monitoring der relevanten Parameter mit vorzusehen. In wie weit auch das mit Algizid versetzte Überwinterungswasser eingesetzt werden kann, war bezüglich der Genehmigungsfähigkeit nicht abschließend zu klären. Eine Aufbereitung mittels Aktivkohle und Zeolith ist hier vielversprechend. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurde deutlich, dass insbesondere die Frage der Genehmigungsfähigkeit und Zuständigkeit nicht ohne weiteres zu beantworten ist, diese allerdings zentral für die Umsetzung wären. Durch die Schaffung eines Pilotstandortes könnte eine Referenz geschaffen werden, durch die sich das Potential der Weiterverwendung von Betriebswasser aus dem Chlorbadbetrieb erschließen lässt.
Abbildung 1: Potentiell für den Einsatz in der Bewässerung geeignete Volumenströme aus dem Freibadbetrieb
Abbildung 2: Relevante Einträge Freibadbetrieb (Quelle Luftaufnahme google.maps)
[Nina Röttgers, Polyplan-Kreikenbaum Gruppe GmbH und Juls Klomfaß, oikotec]
Den Artikel finden Sie in unserer NaturbadInfo Ausgabe 2026