Egel gehören, wie z. B. auch der Regenwurm, zum Stamm der Gliederwürmer (Annelida). Von den ca. 300 Arten leben die meisten im Süßwasser. Sie sind gekennzeichnet durch 33 Segmente, von denen einige im vorderen Körperdrittel zu einem Gürtel angeschwollen sind. Die Egel haben zwei Saugnäpfe am Vorder- und Hinterende, durch die sie spannerartig kriechen können. Mit Hilfe ihrer starken Längsmuskulatur können sie aber auch schnell durch das freie Wasser schwimmen.
Unseren einheimischen 25 Arten lassen sich vier Egelfamilien zuordnen:
- Fischegel (Piscicolidae), die sich an Fischen festsaugen,
- Knorpel- und Plattegel (Glossiphoniidae), die einen vorstülpbaren Saugrüssel besitzen,
- Schlundegel (Erpobdellidae), denen Rüssel und bezahnter Kiefer fehlen
- Kieferegel (Hirudinidae), die im Schlund drei mit Zähnen besetzte Kieferplatten haben.
Alle Egel ernähren sich ausschließlich von tierischen Stoffen: Entweder leben sie räuberisch von Insektenlarven, Würmern und anderen Kleintieren oder sie saugen Blut. In Naturfreibädern wurden schon mehrere Arten von Egeln gefunden, die aber alle keine an Wirbeltieren blutsaugende Exemplare waren.
In mehreren Naturfreibädern wird beispielsweise der Achtäugige Schlundegel Erpobdella octoculata, auch Rollegel genannt, häufiger gefunden (Abbildung 1). Der Rollegel gehört zu den Schlundegeln und ist einer der häufigsten Egelarten hierzulande. Er kommt in stehenden und fließenden Gewässern aller Art vor. Dort sitzt er an Steinen, Ästen oder an Wasserpflanzen. Der Rollegel ist ein sehr guter Schwimmer und Räuber. Die Egel ernähren sich von verschiedenen Insektenlarven (z.B. Zuckmücken, Köcherfliegen), kleinen Krebstierchen (z.B. Wasserasseln), Würmern und Detritus (abgestorbenes, organisches Material). Die Fressaktivität der Egel ist nachts am größten. Der Rollegel selbst wird wiederum von Fischen und Wasservögeln gefressen. Der Rollegel ist zwischen 30 bis 70 mm lang. Er besitzt zwei Saugnäpfe, der hintere ist merklich größer als der vordere, aber beide sind nicht breiter als der Körper. Sein Körper ist relativ weich. Bei Gefahr sondert er viel Schleim ab. Für Menschen ist er völlig ungefährlich. Es kann lediglich vorkommen, dass sich ein Egel mal an der Haut eines Badegastes festsetzt, weil er sie für einen Stein, Ast oder Pflanze hält. Die Egel können mit der Hand einfach wieder abgelöst werden.
Abbildung 1: Achtäugige Schlundegel aus einem Naturfreibad. (Foto © Inga Eydeler).
Ein weiterer Egel, der häufiger in Naturfreibädern vorkommt, ist der Zweiäugige Plattegel Helobdella stagnalis (Abbildung 2). Im Ruhezustand haben sie einen flachen, breiten Körper. Der Kopf mit dem vorderen Saugnapf ist kaum vom Körper abgesetzt. Die Egel gehört zu den Rüsselegeln. Er saugt jedoch nicht an Wirbeltieren, sondern nur an kleineren Mückenlarven, Schnecken und anderen Wirbellosen Blut. Die Egel leben im Wurzelwerk von Erlen und Weiden, auf Unterwasserpflanzen und auf Steinen. Anders als andere Egel betreiben Plattegel Brutpflege. Die befruchteten Eier werden in einem Kokon abgelegt, den diese Egelart mit sich herumträgt. Nach einigen Tagen schlüpfen aus dem Kokon kleine Egel, die sich mit ihrem hinteren Saugnapf am Muttertier festsaugen und so weiter herumgetragen werden. Die Jungtiere saugen an den von der Mutter erbeuteten Kleintieren mit und wachsen so schnell heran. Die Egel werden bis zu 12 mm lang und sind damit deutlich kleiner als die Rollegel.
Abbildung 2: Zweiäugige Plattegel aus einem Naturfreibad. (Foto © Inga Eydeler).
In Europa ist der Medizinische Blutegel Hirudo medicinalis der Einzige, der auch den Menschen als potenziellen Wirt anschwimmt (Abbildung 3). Vorkommen in einem Naturfreibad wurden bisher noch nicht registriert. Die auch als „Blutegel“ bezeichnete Art gehört zu den Kieferegeln und saugt sich an der Haut fest. Mit Hilfe scharfer Calcitzähnchen wird diese aufgebissen. Die zwischen den Kiefern mündenden Speicheldrüsen sondern dabei u.a. gerinnungshemmende Stoffe ab. Anschließend kann ein Egel in etwa 30 bis 60 Minuten bis zum Fünffachen seines Körpergewichts an Blut saugen. Nach Erreichen der Sättigung fällt das Tier von selbst von seinem Wirt ab. Das gesaugte Blut wird im Körper des Egels mit Hilfe von speziellen Darmbakterien konserviert, der Egel muss danach bis zu ein Jahr lang keine Nahrung mehr aufnehmen. Seit Jahrhunderten werden diese Egel für medizinische Zwecke eingesetzt. Erwachsene Tiere werden ausgestreckt bis zu 150 mm lang und sind damit deutlich größer als die oben erwähnten Arten.
Abbildung 3: Medizinischer Blutegel (Foto © Holger Krisp, Wikipedia).
[Dr. Antje Kakuschke, Inga Eydeler, KLS]
Den Artikel finden Sie in unserer NaturbadInfo Ausgabe 2026