Kunst in Bädern – Die drei Frau­en im Natur­bad Maria Ein­sie­del

In der Rei­he „Kunst in Bädern“ sol­len heu­te drei Skulp­tu­ren im Natur­frei­bad Maria Ein­sie­del vor­ge­stellt wer­den, die unter­schied­li­cher nicht sein kön­nen. Drei Frau­en­dar­stel­lun­gen aus unter­schied­li­chen Kunst­epo­chen schla­gen einen zeit­li­chen Bogen von der klas­si­schen Anti­ke bis zur zeit­ge­nös­si­schen Kunst. Auch wenn nicht vie­le Infor­ma­tio­nen zu den Skulp­tu­ren vor­han­den sind, wei­sen sie jedoch auf eine lan­ge Geschich­te des Bades hin. Die eigent­li­che Bade­an­stalt geht auf das Jahr 1890 zurück, und war damals der noch eigen­stän­di­gen Gemein­de Thal­kir­chen zuge­hö­rig. Mit den ers­ten bau­li­chen Erwei­te­run­gen und Neu­bau­ten im Früh­jahr 1899 wird das Bad am 8. Juli 1899 als städ­ti­sche Bade­an­stalt wie­der eröff­net. Seit 2008 ist das „Maria Ein­sie­del“ Mün­chens ers­tes Natur­frei­bad. 

Auf der Lie­ge­wie­se lin­ker­hand des Ein­gangs­be­rei­ches fin­det sich die ers­te Skulp­tur. Sie erin­nert an eine anti­ke Frau­en­dar­stel­lung. Die nack­te Schön­heit sitzt auf einem Sockel, eine Hand berührt der Kopf, die ande­re den Hals. Sie wirkt ent­spannt, aber auch etwas nach­denk­lich. Die Hal­tung und Nackt­heit ähneln den Dar­stel­lun­gen der Aphro­di­te, die grie­chi­sche Göt­tin der Lie­be und Schön­heit. Sol­che Skulp­tu­ren waren typisch für roman­ti­sie­ren­de Land­schafts­ge­stal­tung des 19. Jahr­hun­derts und dien­ten als deko­ra­ti­ve Ele­men­te. Lei­der ist nicht bekannt, wann und von wem die Skulp­tur erschaf­fen wur­de und wie sie ins Natur­frei­bad gekom­men ist. Die aus­ge­strahl­te ent­spann­te Hal­tung der Frau ist in jedem Fall eine tref­fen­de Cha­rak­te­ri­sie­rung für einen Auf­ent­halt im Bad.

 

Abbil­dung 1: Skulp­tur einer nack­ten Schön­heit, die an Dar­stel­lun­gen der Aphro­di­te erin­nert. (Fotos © Ant­je Kakus­ch­ke).

1912 wur­de im Natur­bad Maria Ein­sie­del ein Frau­en­schwimm­bad ein­ge­rich­tet. Bis heu­te gibt es neben einem gemisch­ten FKK-Bereich auch einen Damen-FKK-Bereich. Dort fin­det sich pas­send die zwei­te Frau­en­skulp­tur, eben­falls eine Akt­dar­stel­lung.

Abbil­dung 2: Frau­en-Skulp­tur des Bild­hau­ers Emil Juli­us Epp­le von 1936 im FKK-Bereich des Bades (Fotos © Ant­je Kakus­ch­ke).

Auf dem Sockel die­ser Figur fin­det sich der Schrift­zug „E. Epp­le, 1936“. Sehr wahr­schein­lich wur­de die Skulp­tur von dem deutsch-nie­der­län­di­schen Bild­hau­er Emil Juli­us Epp­le (1877 – 1948) geschaf­fen. Epp­le besuch­te die Stutt­gar­ter Kunst­schu­le, bevor er ab April 1896 an die Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te Mün­chen wech­sel­te. Ein län­ge­rer Auf­ent­halt in Rom präg­te sei­ne Vor­lie­be für klas­si­sche Kunst­schät­ze. Sei­ne Skulp­tur ähnelt daher eben­falls anti­ken Frau­en­dar­stel­lun­gen. Einen Arm erho­ben mit der Hand im Nacken, wirkt die Frau ent­spannt, etwas in sich gekehrt, trägt aber ein Lächeln im Gesicht. Völ­lig anders, im Ver­gleich zur erst genann­ten Skulp­tur, ist die rau­he, nar­bi­ge Ober­flä­chen­struk­tur. Epp­le war bekannt für sei­ne „Direkt Carving“-Technik, bei der der Bild­hau­er mit Ham­mer und Mei­ßel die For­men in Stein unmit­tel­bar, also ohne künst­le­ri­sche Vor­la­ge, aus­ar­bei­tet. Spu­ren der Stein­be­ar­bei­tung sind bei der Skulp­tur gut zu erken­nen. Nach der Macht­er­grei­fung Hit­lers und die damit ver­bun­de­nen Ver­än­de­run­gen in Deutsch­land, ver­lässt Epp­le 1937 Mün­chen und geht in die Nie­der­lan­de, wo er 1948 in Den Haag ver­stirbt.

Abbil­dung 3: Bron­ze-Skulp­tur einer jun­gen Frau des Bild­hau­ers Hans Stangl (Fotos © Ant­je Kakus­ch­ke).

Recht­erhand des Haupt­ein­gangs fin­det man die drit­te Frau­en­skulp­tur des Natur­frei­ba­des. Es ist ein jun­ges, mit einem Bade­an­zug beklei­de­tes Mäd­chen. Die Bron­ze­sta­tue schuf Hans Stangl (1888 – 1963), ein deut­scher Bild­hau­er und Aka­de­mie­pro­fes­sor. Er stu­dier­te ab 1916 an der Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te in Mün­chen und spä­ter beim Bild­hau­er Igna­ti­us Tasch­ner in Ber­lin. Von 1939 bis 1943 lei­te­te er die Deut­sche Aka­de­mie in Rom. Das dar­ge­stell­te Mäd­chen ist mög­li­cher­wei­se eine Schwim­me­rin. Ihre Kör­per­span­nung und kon­zen­trier­te Hal­tung könn­ten dar­auf hin­deu­ten, dass sie auf einem Start­block kurz vor dem Sprung ins Was­ser steht. Viel­leicht nimmt sie an einem Wett­kampf teil. Jeden­falls ein sehr pas­sen­des Motiv für ein Bad mit einem 50 m‑Schwimmerbecken, wo man genüß­lich „Bah­nen zie­hen“ kann.

Abbil­dung 4: Plan des Natur­frei­ba­des Maria Ein­sie­del mit Stand­ort der drei Frau­en-Skulp­tu­ren.

​[Dr. Ant­je Kakus­ch­ke,  KLS]
Den Arti­kel fin­den Sie in unse­rer Natur­bad­In­fo Aus­ga­be 2026