Nach­hal­ti­ges Baden im Natur­frei­bad Win­sen

Nach einer Bau­pha­se von rund 18 Mona­ten und trotz eines Brand­scha­dens am Sani­tär- und Gas­tro­no­mie­ge­bäu­de konn­te im Mai 2025 das Natur­frei­bad im Ecker­mann­park in Win­sen (Luhe) in Betrieb genom­men wer­den. Das ambi­tio­nier­te Ziel des Neu­baus – kli­ma­neu­tra­ler Betrieb.

Das neu gebau­te Bad hat eine Was­ser­flä­che von ca. 3.600 m², die sich auf Sport‑, Schwim­mer- und Nicht­schwim­mer­be­cken auf­tei­len, für die der Betrei­ber um die 35.000 Bade­gäs­te pro Sai­son erwar­tet. Der an die Was­ser­flä­chen angren­zen­de Strand­be­reich umfasst 1.800 m² und die Was­ser­auf­be­rei­tung erfolgt mit bio­lo­gi­scher Was­ser­rei­ni­gung gemäß der FLL-Richt­li­nie, unter Ein­satz einer Hydro­bo­ta­nik sowie eines Nep­t­un­fil­ters. Mit einer 66 kWp Pho­to­Vol­ta­ik-Anla­ge auf dem Dach des Gas­tro­no­mie­ge­bäu­des, einer Wär­me­pum­pe, inte­grier­ter Wär­me­rück­ge­win­nung und dem Ein­satz mög­lichst effi­zi­en­ter Pum­pen wird das Bad dezen­tral betrie­ben. Im Regel­be­trieb ent­steht ein Über­schuss an Ener­gie, mit dem zusätz­lich Elek­tro­la­de­säu­len betrie­ben und die Strom­spei­cher befüllt wer­den kön­nen. Die Steue­rung des Bades erfolgt dyna­misch. So wer­den die Pum­pen für den Schwimm­be­trieb bei Schlecht­wet­ter auto­ma­tisch in der Leis­tung redu­ziert.

Eben­so aus­schlag­ge­bend für die Nach­hal­tig­keit, wie der Betrieb eines Bades, ist der Bau des­sel­ben, in Bezug auf Boden und Grund­was­ser sowie die ver­wen­de­ten Bau­stof­fe. Erhöh­te Anfor­de­run­gen waren im Ecker­mann­park durch die unmit­tel­ba­re Nähe zum geschütz­ten Auen­ge­biet der Luhe gege­ben, des­sen Grund­was­ser­re­gime durch die Bau­maß­nah­men nicht beein­träch­tigt wer­den darf. Um das zu gewähr­leis­ten, wur­de der Was­ser­spie­gel der Becken über das Gelän­de­ni­veau ange­ho­ben und die Aus­hub­tie­fen mini­miert. Bei der Aus­wahl der Bau­stof­fe für die Gestal­tung der Becken und Frei­raum­an­la­gen wur­de ein Augen­merk auf die größt­mög­li­che Redu­zie­rung von Beton als sehr ener­gie­in­ten­si­ver Bau­stoff gelegt. Der Ansatz bau­tech­nisch neue Maß­stä­be zu set­zen, konn­te nicht in allen Berei­chen zur Umset­zung kom­men, wie bspw. die Aus­bil­dung der Beckens­oh­le mit Schaum­glas­plat­ten, die als öko­lo­gi­sche Alter­na­ti­ve zu Beton wäh­rend der Pla­nungs­pha­se einem Eig­nungs­test unter­zo­gen wur­den. Per­spek­ti­visch liegt im Bereich der Bau­tech­nik, durch die Wei­ter­ent­wick­lung öko­lo­gi­scher Bau­stof­fe, ein gro­ßes Poten­ti­al für Opti­mie­run­gen und Ein­spa­run­gen an Res­sour­cen und umwelt­re­le­van­ten Emis­sio­nen.

Ein nicht zu ver­nach­läs­si­gen­der Aspekt der Nach­hal­tig­keit ist der Ein­be­zug des Regen­was­sers. Mit dem Ziel einen Bei­trag zum Hoch­was­ser­schutz zu leis­ten und das Ent­wäs­se­rungs­sys­tem der Stadt Win­sen (Luhe) nicht durch zusätz­li­che Nie­der­schlags­was­ser­men­gen zu belas­ten, wur­de ein Kon­zept der Regen­was­ser­be­wirt­schaf­tung rea­li­siert. Die­ses sieht die umfäng­li­che Rück­hal­tung und Ver­si­cke­rung des Nie­der­schlags­was­sers auf dem Grund­stück vor, unter Berück­sich­ti­gung aller Vor­ga­ben des Was­ser­schutz­ge­bie­tes. Eine beson­de­re Rol­le erhält dar­in der soge­nann­te Wei­her­bo­gen — der ertüch­tig­te Bestands­wei­her des vor­ma­li­gen Gar­ten­schau­parks, der nun bei Stark­re­gen und im Über­flu­tungs­fall als Reten­ti­ons­be­cken fun­giert.

Nicht nur der Bäder­bau und die Was­ser­tech­nik wur­den im Natur­frei­bad Win­sen mit Blick auf die Nach­hal­tig­keit opti­miert, auch der Hoch­bau folg­te die­ser Prä­mis­se. Das Funk­ti­ons­ge­bäu­de mit Gas­tro­no­mie­be­trieb, Sani­tär­an­la­gen und Betriebs­räu­men sieht durch die kreis­för­mi­ge Bau­wei­se und das flie­gen­de Dach nicht nur inno­va­tiv aus, son­dern ist auch res­sour­cen­scho­nend in Holz­stän­der­werk-Bau­wei­se gebaut. Als Beson­der­heit besteht außer­halb der Bade­sai­son die Mög­lich­keit, über Wär­me­pum­pen die Wär­me aus dem Bade­see zu nut­zen, um das Gebäu­de zu hei­zen. So kann auch ein Teil der für die ganz­jäh­ri­ge Nut­zung des Gebäu­des benö­tig­ten Ener­gie direkt vor Ort gewon­nen wer­den. Durch den Brand­scha­den am Funk­ti­ons­ge­bäu­de wird eine Bewer­tung der tat­säch­li­chen Ener­gie­ge­win­nung und Bedar­fe erst im Anschluss an die Sai­son 2026 mög­lich sein.

Abschlie­ßend soll­te eine Aus­zeich­nung des Pro­jek­tes nicht uner­wähnt blei­ben: Das Natur­frei­bad Win­sen wur­de durch das Bun­des­pro­gramm „Anpas­sung urba­ner und länd­li­cher Räu­me an den Kli­ma­wan­del“ als “Best Practice”-Beispiel aus­ge­wählt.

 

 

​[Nina Rött­gers und Sebas­ti­an Floh­re, Poly­plan-Krei­ken­baum Grup­pe GmbH]
Den Arti­kel fin­den Sie in unse­rer Natur­bad­In­fo Aus­ga­be 2026